Adaptive Fertigung ist das Zusammenspiel integrierter Bausteine zu einer durchgängigen Produktionsarchitektur. Ziel ist es, Automatisierung so zu gestalten, dass sich Geschwindigkeit, Flexibilität und regulatorische Sicherheit nicht mehr gegenseitig ausschließen, sondern parallel optimiert werden. Ein zentraler Hebel dafür ist die Art und Weise, wie Produkte durch die Fertigung geführt werden. Anstelle starrer, sequenzieller Linien entstehen Systeme, in denen sich Produkte individuell bewegen, zwischenspeichern und priorisieren lassen. Prozessschritte werden entkoppelt, sodass sich Änderungen im Produktionsablauf softwareseitig abbilden lassen – ohne aufwendige mechanische Eingriffe. Das ermöglicht deutlich schnellere Formatwechsel und reduziert Stillstandszeiten, insbesondere bei häufig wechselnden Produkten und kleineren Losgrößen.
Parallel dazu werden bisher getrennte Funktionen wie Steuerung, Motion, Bildverarbeitung und Qualitätssicherung in einer einheitlichen Automatisierungsarchitektur zusammengeführt. Prozesse lassen sich dadurch in Echtzeit synchronisieren, während Qualitätsprüfungen kontinuierlich während der Produktionszeiterfolgen. Fehler werden früh erkannt und können unmittelbar korrigiert werden – ein entscheidender Vorteil in der Herstellung von Medikamenten, wo Qualitätsmanagement entscheidend für die Effizienz ist.
Ein weiterer Baustein der adaptiven Fertigung ist der durchgängige Einsatz von Maschinensimulation und Digital-Twin-Technologien. Maschinen und Prozesse können bereits vor der physischen Umsetzung virtuell entwickelt, getestet und optimiert werden. Änderungen lassen sich vorab validieren, Risiken werden frühzeitig erkannt und der Aufwand für Inbetriebnahme und Requalifizierung sinkt signifikant: von Tagen auf Stunden.
Die Grundlage für diese Flexibilität bildet eine offene, durchgängige Datenarchitektur. Maschinen, Subsysteme und IT‑Systeme sind über alle Ebenen hinweg miteinander vernetzt und erzeugen kontinuierliche Datenströme. Diese ermöglichen ein umfassendes Monitoring in Echtzeit und vorausschauende Analysen, durch die Abweichungen früh erkannt und vermieden werden können. Gleichzeitig wird eine lückenlose Rückverfolgbarkeit sichergestellt – eine zentrale Voraussetzung für regulatorische Konformität und effiziente Freigabeprozesse.
In der Kombination entsteht so ein neuer Produktionsansatz für Europas Pharmaindustrie, der sich grundlegend von klassischen Automatisierungskonzepten unterscheidet: nicht mehr die maximale Auslastung einer festen Linie steht im Vordergrund, sondern die Fähigkeit, sich kontinuierlich an neue Anforderungen anzupassen.
„Für ‚Pharma made in Europe‘ bedeutet das, steigende Komplexität beherrschbar zu machen und gleichzeitig Effizienz, Qualität und Compliance auf einem hohen Niveau zu sichern. Genau darin liegt der entscheidende Wettbewerbsvorteil“, erklärt Lazaros Patsakas.