
Safety Meets DevOps
Bei B&R wird Sicherheitstechnik nicht isoliert gedacht, sondern als tragende Systemfunktion über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage hinweg verstanden. Auch in der Softwareentwicklung, in der eine durchgängige Integration bislang nicht dem Standard entspricht, nimmt B&R mit SafeDesigner+ eine Vorreiterrolle in der Automatisierungsbranche ein. Die konsequente Einbettung der Sicherheitstechnik in moderne Software‑ und Entwicklungsworkflows eröffnet neue Möglichkeiten, die weit über das heutige Branchenverständnis hinausgehen.
Unterschiedliche Welten im Engineering
In der Automatisierungstechnik haben sich moderne Softwareentwicklungsmethoden längst etabliert. Applikationen werden textbasiert entwickelt, über Versionsverwaltung organisiert, automatisiert gebaut und im Team geprüft. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und paralleles Arbeiten gehört zum Alltag.
Die Entwicklung von Sicherheitsfunktionen war dagegen lange Zeit auf proprietäre Umgebungen und geschlossene Projektformate beschränkt. Der Code lässt sich außerhalb der Safety‑Umgebung in den allermeisten Fällen nicht einsehen oder bewerten, Änderungen sind kaum nachvollziehbar und eine domänenübergreifende Zusammenarbeit ist nicht vorgesehen.
In der Folge werden Sicherheits‑ und Standardapplikationen zwar parallel entwickelt, aber nicht ausreichend aufeinander abgestimmt. Die Integration erfolgt spät, Abweichungen zeigen sich häufig erst bei der Inbetriebnahme und die Fehlersuche wird aufwendig und zeitintensiv.
Diese Herausforderungen sind weniger eine Frage von Organisation oder Prozessen, sondern vor allem das Ergebnis einer Tool‑Landschaft, die Zusammenarbeit und Synchronisation nur begrenzt unterstützt.
SafeDesigner+ schließt die Lücke
Mit SafeDesigner+ adressiert B&R genau diese zwei Welten und führt die Entwicklung von Sicherheits‑ und Standardapplikationen zusammen. Die zentrale Idee ist einfach, aber wirkungsvoll: Sicherheitscode wird wie nicht‑sicherheitsrelevanter Quellcode behandelt. Anstelle geschlossener Projektcontainer basiert SafeDesigner+ auf einem textbasierten Codeformat. Dadurch wird Safety‑Code lesbar, versionierbar und kompatibel mit modernen Engineering‑Workflows.
Gleichzeitig sorgt ein TÜV‑zertifizierte Safety‑Mechanismus dafür, dass die Integrität der Sicherheitsapplikation jederzeit gewährleistet bleibt. Sicherheitsrelevante Änderungen werden automatisch erkannt und eindeutig gekennzeichnet. Über die integrierte Command‑Line‑Schnittstelle lassen sich zudem automatisierte Headless-Workflows realisieren. Safety‑Applikationen können in Build‑Pipelines und gemeinsame Engineering‑Prozesse eingebunden werden – analog zur Entwicklung nicht sicherheitsrelevanter Software. So entsteht ein durchgängiger Workflow, der Zusammenarbeit, parallele Entwicklung und Automatisierung über beide Domänen hinweg unterstützt.
Ein einfaches Beispiel: Pull-Requests
Wie dieser Ansatz im Alltag wirkt, zeigt ein typisches Szenario aus der Softwareentwicklung: der Pull-Request. Ein Safety‑Engineer erstellt sicherheitsrelevanten Code in SafeDesigner+ und legt ihn in einem gemeinsamen Repository ab. Anschließend wird ein Pull Request für einen Kollegen aus dem Non‑Safety‑Bereich eröffnet. Dieser kann den Code in seiner gewohnten Umgebung, etwa in B&R Automation Studio Code, prüfen, ohne direkt in SafeDesigner+ arbeiten zu müssen. Schnittstellen, Logik und Annahmen lassen sich frühzeitig abstimmen, unterstützt durch moderne Werkzeuge wie KI‑gestützte Code‑Reviews. Nach Abschluss des Pull-Requests überprüft SafeDesigner+, ob sicherheitsrelevanter Code verändert wurde. Ist dies der Fall, werden die betroffenen Stellen eindeutig markiert.
So wird eine transparente, domänenübergreifende Zusammenarbeit mit etablierten Software‑Workflows möglich – bei voller Kontrolle über sicherheitsrelevante Änderungen. SafeDesigner+ zeigt, dass funktionale Sicherheit und moderne DevOps‑Prinzipien kein Widerspruch sind. Mit textbasiertem Code, automatisierungsfähigen Engineering‑Workflows und zertifizierten Integritätsmechanismen wird Sicherheit zu einem natürlichen Bestandteil kollaborativer Maschinenentwicklung.
Sicherheit muss Engineering nicht ausbremsen. Mit SafeDesigner+ wird sie zu einem entscheidenden Wegbereiter für effiziente und zukunftsfähige Automatisierung.
