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(Quelle: Andreas Metzner)
Prof. Dr. Martin Dreher, Wissenschaftlicher Leiter des DFTA-Technologiezentrums, spricht über neue Trends bei Druckverfahren.

Wenn der Verpackungsdruckmarkt betrachtet wird, insbesondere der Flexodruck, zeigen sich mehrere Strömungen und Trends. Hinter diesen verbergen sich zum Teil komplexe Sachverhalte. Prof. Dr. Martin Dreher von der DFTA versucht nicht nur Trends selbst, sondern auch deren Auswirkungen auf den Flexodruck näher zu erläutern.

Herr Prof. Dr. Dreher, welche aktuellen Trends erkennen Sie im Verpackungsdruck?

Wenn wir den Verpackungsdruckmarkt betrachten, insbesondere den Teil, der vom Flexodruck bedient wird, dann begegnen uns mehrere Strömungen und Trends. Dazu zählen etwa dünnere Bedruckstoffe oder solche mit mattem Charakter.

Welche Auswirkungen haben die dünnen Materialien im Druckprozess?

Bei dünneren Bedruckstoffen gelingt es, weniger Material einzusetzen und so Kosten zu sparen. Dieses dünnere Material muss aber drucktechnisch nach wie vor zu verarbeiten sein. Der Flexodruck ist diesbezüglich mit seinen verbreiteten Zentralzylinder- Druckmaschinen sehr gut aufgestellt, denn sie können auch sehr dünne und elastische Materialien gut bedrucken.

Wie verhalten sich die matten Oberflächen beim Drucken?

Die matten Oberflächen werden bei Verpackungen eingesetzt – um sich einerseits vom Wettbewerb zu differenzieren und andererseits um Nachhaltigkeit zu vermitteln. Solche Materialien sind in der Verarbeitung etwas kritischer als die glatten, glänzenden, weil bereits geringe Störungen zu einem partiellen Abrieb der Mattierung führen können, der einen unerwünschten Glanz verursacht. Mit dem Folien-Flexodruck mit Zentralzylinder-Druckmaschinen können wir damit gut umgehen, weil die Gefahr einer Beschädigung der Materialvorderseite durch Leitelemente in der Druckmaschine relativ gering ist.

Der Flexodruck scheint für die neuen Trends gerüstet. Welche Gründe sprechen dafür, noch auf Tiefdruck zu setzen?

Verpackungsfolien für Kaschierverbunde werden aktuell gerne mit einem partiell-motivhaften Mattlack versehen, der die Verpackung noch attraktiver aussehen lässt. Dafür muss aber der Mattlack passgenau zum Zwischenlagendruck aufgedruckt werden. Der Tiefdruck ist damit schon lange konfrontiert und deshalb dafür gerüstet. Beim Flexodruck ist das bisher kaum der Fall. Deshalb ist es natürlich wünschenswert, wenn zukünftig mehr Flexodruckmaschinen mit den dafür nötigen Einrichtungen ausgerüstet werden.

In der Vergangenheit war die Druckqualität oft ausschlaggebend, sich für den Tief- oder Digitaldruck zu entscheiden. Trifft das Ihrer Meinung nach noch zu?

Inzwischen gibt es nur noch ganz wenige Gründe im Folienbereich den Tiefdruck gegenüber dem Flexodruck zu bevorzugen – und die Druckqualität ist keiner davon. Auch im Wellpappenbereich hat der Flexodruck so große Fortschritte gemacht, dass es keine Qualitätsfrage mehr ist, wenn jemand dennoch Offsetdruck kauft. Was den Digitaldruck betrifft, ist es so, dass Einzelanfertigungen einer Verpackung möglichst klein gehalten werden, um die Kapitalbindung zu minimieren und die Flexibilität zu maximieren. Hier ist der Flexodruck zwar gut aufgestellt, muss jedoch mit dem Digitaldruck konkurrieren.

Welche Gründe sprechen dafür, sich explizit für den Flexodruck zu entscheiden?

Der Flexodruck ist das einzige Druckverfahren, in dem Raster noch weiterentwickelt werden und bietet hier die größte Bandbreite und Auswahl. Gemeint sind damit die Punktformen sowie die Wachstums- und Winkelungsstrategien der Rastersysteme. Es werden auch wieder frequenzmodulierte Raster angewendet, die lange Zeit nicht mehr praktikabel schienen, heute aber wieder spektakuläre Ergebnisse bringen können. Die gedruckten Raster werden immer feiner. Bereits jetzt gibt es Druckereien im Bereich des großformatigen Foliendrucks die 100er-Raster als Standard praktizieren. Jedoch sind Rasterungen, die jenseits der Erkennbarkeitsschwelle durch das menschliche Auge liegen, in puncto Druckqualität nicht mehr effektiv.

Gibt es Unterschiede oder Einschränkungen bei den eingesetzten Druckfarben?

Gängige Praxis ist das Drucken von CMYK+X, wie prinzipiell auch in allen anderen Verpackungsdruckverfahren außer dem Digitaldruck. Das +X ermöglicht zwar eine hohe Genauigkeit beim Treffen von Hausfarben, schafft aber auch neue Herausforderungen. Diesen wird mehr und mehr durch die Verwendung eines festen Farbsatzes begegnet. 7-farbige Skalen werden teils angewendet oder untersucht, manche praktizieren bereits den reinen 4C-Druck. Letzterer ist möglich geworden, weil der Flexodruck heute Farbintensitäten produzieren kann, die noch vor kurzem undenkbar waren, so dass auch mit nur 4 Prozessfarben farbenprächtige Umsetzungen möglich sind.

Wie beurteilen Sie die Zukunft des Flexodrucks?

Der Verpackungsdruck unterliegt im Moment einem starken Wandel und damit auch der Flexodruck. Einige der daraus entstehenden Herausforderungen sind leichter zu bewältigen als andere, aber im großen Ganzen steht der Flexodruck dabei sehr gut da und genießt die allerbesten Zukunftsaussichten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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