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„Der Markt fordert offene Standards und eine einheitliche Protokollwelt“

Die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung der Welt wirkt sich massiv auf die Industrieproduktion aus. Zahlreiche Verbände und Organisationen arbeiten an Lösungsansätzen, um diesen Veränderungen zu begegnen. Dr. Richard Soley, Geschäftsführer des Industrial Internet Consortiums (IIC), und Sebastian Sachse, Technology Manager Open Automation bei B&R, erklären im Interview, welche Rolle Testbeds spielen und wieso das IIC nicht in Konkurrenz zu den Initiativen rund um Industrie 4.0 steht.

Herr Soley, das IIC bekommt mehr und mehr Aufmerksamkeit auf der ganzen Welt. Bitte beschreiben Sie uns kurz, was Ihre Organisation macht!

Dr. Richard Soley: Das IIC ist eine globale, mitgliedergestützte Organisation, in der sich Unternehmen zusammengeschlossen haben, um die Herausforderungen des Internet of Things (IoT) gemeinsam zu bewältigen. Die Mitglieder definieren in Arbeitskreisen, wie die nötigen Technologien zur Umsetzung des Internet of Things entwickelt und verbreitet werden können. Wir sind selbst keine Standardisierungsorganisation, arbeiten aber mit dutzenden Standardisierungsorganisationen auf der ganzen Welt zusammen. Zu unseren Mitgliedern zählen mittlerweile knapp 300 Unternehmen, darunter IT-Unternehmen, produzierendes Gewerbe, Forschungseinrichtungen, Universitäten, Hersteller von Mikroprozessoren und Automatisierungsanbieter wie B&R – eine sehr heterogene Mischung also.

Sebastian Sachse: Die Heterogenität der Mitgliedsfirmen zeigt übrigens, was IoT im industriellen Bereich ausmacht: Das Zusammenspiel von Automatisierungstechnik – in diesem Zusammenhang auch Operational Technology (OT) genannt – und IT.

Das IIC steht in Konkurrenz zu anderen Initiativen, zum Beispiel Industrie 4.0 im deutschsprachigen Raum. Herr Soley, was unterscheidet Sie von diesen Initiativen?

Soley: Eine Konkurrenz-Situation sehe ich nicht. Ganz im Gegenteil, wir arbeiten immer enger mit anderen Initiativen zusammen, zu denen neben Industrie 4.0 übrigens auch Initiativen in China, Japan, Russland und Indien gehören. Die Zahl fester Kooperationen steigt stetig.

Sachse: Industrie 4.0 und die Arbeit des IIC zum Beispiel ergänzen sich aus unserer Sicht sehr gut, weil sie unterschiedliche Herangehensweisen haben. Industrie 4.0 arbeitet auf einer sehr abstrakten Ebene und konzentriert sich auf die industrielle Produktion. Die Hauptaufgabe des IIC liegt in praxisnahen Referenzarchitekturen und Testbeds. Beide Herangehensweisen sind wichtig und ergänzen sich. Daher ist B&R auch Mitglied in beiden Organisationen und beteiligt sich aktiv an deren Arbeit.

Was wird in diesen Testbeds gemacht?

Soley: Lassen Sie uns noch einen Schritt zurückgehen: Bevor wir ein Testbed ins Leben rufen, entwerfen wir eine Referenzarchitektur. Eine solche Architektur beschreibt zum Beispiel allgemein, wie Daten aus einer Produktion in die Cloud übertragen werden. Unsere Mitglieder übertragen diese Architektur dann in ein Testbed. In diesem Versuchsaufbau werden Komponenten – meist handelt es sich dabei um Prototypen – von unterschiedlichen Herstellern gemäß der Referenzarchitektur zusammengeschlossen. Basierend auf diesem Konzept, hat das IIC mittlerweile eine hohe Bandbreite an Frameworks entwickelt, die dabei helfen, die Herausforderungen des Industrial IoT zu bewältigen und unterschiedliche Gesichtspunkte aufzuzeigen. Das Security- und Kommunikations-Framework ist zum Beispiel stark technisch geprägt, wohingegen das Framework für Unternehmensstrategie und Innovation ganz andere Aspekte beleuchtet. Die Testbeds helfen dabei, die Anforderungen an neue Standards zu sammeln. Außerdem werden Best-Practice-Beispiele zusammengetragen, wie IoT in viele industrielle Settings integriert werden kann - zum Beispiel im Gesundheitswesen, im Finanzsektor, in der Energiebranche, im Bergbau und in der industriellen Fertigung.

Sachse: Für uns sind diese Testbeds Gold wert. Wir können bereits während der Entwicklungsphase neuer Produkte feststellen, ob sie in ihrer zukünftigen Umgebung wie geplant funktionieren. Die Testbeds kommen dabei den realen Anwendungen bei unseren Kunden sehr nahe. Gerade im Hinblick auf IoT-Anwendungen können wir gemeinsam mit den anderen Firmen wichtige Erfahrungswerte sammeln die dann zur Wertschöpfung bei unseren Kunden beitragen. Das Industrial IoT löst sich somit von sehr abstrakten und theoretischen Ideen und wird greifbar in der Anwendung.

Bedeutet das nicht, bereits während der Entwicklungsphase Know-how an Mitbewerber preis zu geben?

Soley: Natürlich bedeutet es das. Bis vor wenigen Jahren wäre so etwas auch nicht denkbar gewesen. Aber die derzeitigen Umwälzungen durch das Internet of Things bewegen viele Unternehmen dazu, dieses Verhalten zu überdenken. Denn eines ist klar: Der Markt fordert offene Standards und eine einheitliche Protokollwelt. Nur so lassen sich die immer größeren Netzwerke effizient einrichten und verwalten.

Sachse: Egal, ob wir es Industrie 4.0, IIoT oder Smart Factory nennen, – die Produktion der Zukunft ist nur möglich, wenn alle Komponenten einer Produktionsanlage über ein einheitliches Netz kommunizieren. Diese Erkenntnis hat dafür gesorgt, dass nun zahlreiche Mitbewerber an einem Tisch sitzen, um die technischen Rahmenbedingungen zu spezifizieren. Natürlich wird es auch in Zukunft eine Differenzierung zwischen den Herstellern geben. Allerdings nicht mehr auf der Ebene der Kommunikation. Der einheitliche Standard OPC UA TSN ist im Markt gesetzt. Der Kundennutzen liegt in Zukunft in dem Wissen das aus Daten gewonnen wird. Die Innovationen der Automatisierung werden daher zunehmend in diesem Bereich liegen.

Können Sie uns eines dieser Testbeds genauer beschreiben?

Soley: Wir haben mittlerweile 26 Testbeds, unter anderem aus dem Gesundheits- oder dem Transportsektor. Für die industrielle Produktion dürfte das TSN-Testbed die höchste Relevanz haben. TSN oder Time-Sensitive Networking fasst die Erweiterung des Ethernet-Standards IEEE 802.1 um diverse Echtzeitfunktionen zusammen, die sich derzeit im Abschluss der Spezifizierungsphase befinden. Parallel zum Spezifikationsprozess testen die beteiligten Unternehmen in einem gemeinsamen Versuchsaufbau, ob die jeweiligen Pilotimplementierungen kompatibel sind. Da OPC UA sich am Markt als einer der Kommunikationsstandards für Industrial-IoT-Anwendungen etabliert hat, nehmen wir nun auch OPC UA und andere Technologien wie DDS und MQTT in das Testbed mit auf. Damit wird sichergestellt, dass die ersten Produkte mit OPC UA TSN bereits vorab in einer simulierten Industrieumgebung getestet wurden.

Gibt es schon erste Ergebnisse des Testbeds?

Sachse: Die ersten Ergebnisse sind sehr vielversprechend. Gemeinsam mit etlichen Testbed-Teilnehmern und weiteren namhaften Herstellern von Automatisierungs- und Informationstechnik haben wir auf der SPS IPC Drives 2016 angekündigt, Produkte mit OPC UA TSN auf den Markt zu bringen. B&R wird bereits 2017 seine Steuerungen mit OPC UA TSN ausrüsten. Die schnelle Umsetzung vom Konzept zur Serienreife ist ein gutes Beispiel für die drastische Verkürzung von Innovationszyklen, die im Rahmen von IIoT so oft gefordert wird.

Soley: Und damit haben wir als IIC unsere Mission voll erfüllt: Wir haben Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen zusammengebracht, die Erarbeitung neuer Standards unterstützt und die Zeit von der Entwicklungsidee zur Markteinführung für neue Technologien verkürzt.

Sachse-Sebastian
Sebastian Sachse ist Technology Manager Open Automation bei B&R
IIC Richard Soley
Richard Soley ist Geschäftsführer des Industrial Internet Consortiums (IIC)
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