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Automatisierung und IT müssen zusammenwachsen

Während Industrie 4.0 und das Internet of Things (IoT) lange Zeit ein getrenntes Dasein fristeten, gibt es nun vermehrt Bestrebungen, die beiden Konzepte auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Wir sprachen mit Tony Shakib (Cisco), Stefan Schönegger (B&R) und Marc Ostertag (B&R) über Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Synergien zwischen den 2 Ansätzen.

Herr Ostertag, Sie sind Geschäftsführer der amerikanischen Tochtergesellschaft eines europäischen Automatisierungsanbieters. Sind Sie im amerikanisch geprägten Internet der Dinge (IoT) oder in der deutschsprachig geprägten Industrie 4.0 zu Hause?

Marc Ostertag: In erster Linie bin ich in der Welt meiner Kunden zu Hause. Maschinen- und Anlagenbauer wollen ihre Prozesse optimieren, neue Märkte erschließen und die Anforderungen ihrer Kunden – zum Beispiel nach Produktion in Losgröße eins – erfüllen. Ich denke, da sind die Unterschiede dies- und jenseits des Atlantiks nicht so groß. Nichtsdestotrotz müssen wir als Automatisierungsanbieter uns natürlich intensiv damit auseinandersetzen, wie wir diese Wünsche erfüllen können.

Und da kommen die Konzepte Industrie 4.0 und IoT ins Spiel.

Stefan Schönegger: Und beide haben aus unserer Sicht ihre Berechtigung. Die Plattform Industrie 4.0 hat sich zum Ziel gesetzt, sehr detailliert den Produktionsprozess zu untersuchen, zu beschreiben und zu verbessern. Das ist eine sehr wichtige Grundlagenarbeit, die langfristig viele Verbesserungen bringen wird.

Tony Shakib: Genau das ist der Punkt: Industrie 4.0 stellt hauptsächlich theoretische Überlegungen an. Im Zentrum des Internet der Dinge steht hingegen der praktische Nutzen. Ein Beispiel dafür sind die Testbeds im Rahmen des Industrial Internet Consortiums (IIC). Dort testen Unternehmen wie B&R, Cisco und National Instruments unter realen Produktionsbedingungen, wie Technologien für die intelligente Fabrik der Zukunft tatsächlich umgesetzt werden können.

Ist es diese Praxisnähe, die B&R bewogen hat, Mitglied des IIC zu werden und sich aktiv am TSN-Testbed zu beteiligen?

Schönegger: Das ist definitiv ein wichtiger Aspekt. Schließlich wollen wir unseren Kunden Lösungen anbieten, die sie sofort einsetzen können. Es gibt auch noch einen zweiten Punkt: Wir reden von der Produktion der Zukunft. Und die können wir nicht getrennt für die Vereinigten Staaten, Europa und andere geographische Regionen betrachten. Generell gilt: Ein globaler Markt braucht globale Lösungsansätze und natürlich auch globale Standards. Unser erklärtes Ziel ist es, an diesen globalen Lösungsansätzen mitzuarbeiten und dazu müssen wir weltweit in allen relevanten Gremien aktiv sein.

Shakib: Diesen Worten kann ich mich nur anschließen. Egal ob Industrie 4.0 oder IoT, unser Ziel ist es, neue Wege der flexiblen Fertigung mit intelligenten Maschinen zu ermöglichen. Das ist einer der Gründe, aus denen wir das IIC mitgegründet haben. Auch wir sehen die Notwendigkeit einer atlantikübergreifenden Sichtweise des Themas: Nicht zuletzt deswegen haben wir als amerikanisches Unternehmen im vergangenen Jahr ein Forschungslabor mit dem Fokus Industrie 4.0 und IoT in Berlin gegründet.

Herr Schönegger, Sie sprachen von der Notwendigkeit offener Standards. Wie könnten diese aussehen?

Schönegger: Den ersten Standard gibt es bereits: OPC UA wird das herstellerunabhängige Kommunikationsprotokoll für die Produktion der Zukunft sein. OPC UA wird die vollständige Kommunikation von einzelnen Sensoren und Aktoren bis hin zu ERP-Systemen und in die Cloud abwickeln. Völlig unabhängig davon, von welchen Herstellern die verwendete Hardware stammt.

Herr Shakib, wir sprechen bisher ausschließlich über industrielle Fertigung. Geht das Internet der Dinge nicht viel weiter?

Shakib: Oh ja. Für uns ist die industrielle Produktion natürlich ein sehr wichtiger Aspekt. IoT beinhaltet aber noch viel mehr: Die Vernetzung von Haushaltsgeräten, intelligente Energieversorgungssysteme (Smart Grids) oder vernetzte Transportsysteme (Smart Mobility) sind nur einige Beispiele. Im Zentrum des Interesses steht jeweils die Vernetzung über bisherige Bereichsgrenzen hinweg. Nur so kann die digitale Transformation gelingen.

Sind diese Themen auch für B&R relevant?

Ostertag: Wir werden sicher nicht in den Markt für vernetzte Haushaltsgeräte einsteigen, der Gedanke der disziplinenübergreifenden Kommunikation ist aber natürlich auch in der Industrie wichtig. Nicht zuletzt werden wir natürlich davon profitieren, wenn Halbleiterbauteile in hohen Stückzahlen für Consumer-Produkte gefertigt werden, die wir auch in der industriellen Produktion verwenden können.

Somit schließt sich auch der Kreis, wieso so unterschiedliche Unternehmen wie B&R und Cisco nun an einem Tisch sitzen…

Schönegger: Ganz richtig. Um die Produktion der Zukunft zu verwirklichen, müssen IT und Automatisierung zusammenwachsen. Genau das spiegelt sich in der Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Unternehmen wieder.

Die Interviewpartner:

Cisco Shakib Tony IoT
Tony Shakib
Vice President IoT Vertical Solutions Unit, Cisco
Ostertag-Marc-BnR-Northamerica-President
Marc Ostertag
President, B&R Nordamerika
Schönegger-Stefan-Marketing-Manager-BnR
Stefan Schönegger
International Marketing Manager, B&R
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